Tilly

Traberstute Tilly – mein Weg vom Renn- zum Freizeitpferd

Hi, ich bin Tilly. Traberstute durch und durch. 10 Jahre jung und seit knapp 4 Jahren an der Seite meiner jetzigen Besitzerin (nennen wir sie mal „Möhrchengeberin“ – denn ich steh total auf Möhren!). Was soll ich sagen, wir machen uns das Leben gegenseitig manchmal ganz schön schwer. Wobei eigentlich alles ganz einfach wäre.

Der Neuanfang

Aber beginnen wir doch am Anfang: ich lernte meine Möhrchengeberin Ende August vor 4 Jahren kennen. Damals stand ich noch zusammen mit meiner Stutenherde in Brandenburg. Meine damalige Besitzerin hatte mich zu der Zeit schon von meiner aktiven Rennkarriere verabschiedet, da ich bei den Trabrennen immer ganz ordentlich viel Stress hatte und das wollte sie mir nicht mehr zumuten. Schon nett, oder?

Eine Traberstute von der Rennbahn.
Ich war ja eigentlich gar nicht so schlecht und ziemlich schnell unterwegs.

Eigentlich dachte ich zu der Zeit noch, dass ich endlich meine Ruhe hatte und das Leben zusammen mit meinen Mädels auf der riesengroßen Koppel genießen könnte. Ein bisschen „Tante“ für den Nachwuchs spielen ist ja eigentlich Verantwortung genug. Das war mein Plan.

Aber meine damalige Besitzerin meinte wohl, dass ich zu jung für´s rumstehen bin und hat mich damals im Internet zum Verkauf inseriert. Anscheinend hat sie die Verkaufsanzeige ganz nett geschrieben, denn sie hat das Interesse meiner jetzigen Möhrchengeberin geweckt.

Die Möhrchengeberin

Kennengelernt haben wir uns dann an einem sehr sonnigen und ziemlich warmen Tag. Ich hatte so überhaupt kein Interesse, von der Koppel geholt zu werden. Aber da ich gut erzogen bin, ging ich mit. Dann stand sie vor mir, meine neue Möhrchengeberin (bis dahin wussten wir Beide noch nicht, dass uns das Schicksal zusammen führt).

Im Roundpen durfte ich mich dann bisschen aufwärmen und vorführen, wie schön und schnell ich traben kann. Die „Neue“ habe ich einfach mal ignoriert und weiter meine Runden gedreht. Eigentlich dachte ich, ich habe sie abgeschreckt mit meiner Geschwindigkeit – denn ich wollte ja meine Ruhe auf der Koppel genießen – aber ein paar Tage später war sie wieder da. Mich hat schon gewundert, warum ich vorher in die Box gestellt wurde?

Tilly im Roundpen. Ihr Trab ist unglaublich schnell.
Im Roundpen durfte ich beweisen, wie schön schnell ich im Trab sein kann.

Dann ging es los: raus aus der Box und ein kleines Verwöhnprogramm mit putzen. Bis dahin hab ich es echt ganz gut gefunden. Dann kam der Sattel und den hätte ich jetzt nicht gebraucht. Trense auch noch. Wunderbar, also ist doch Arbeit angesagt. Ich dachte mir, ich zeig ihr mal so was ich kann und reg mich ein bisschen auf. Vielleicht komme ich ja um die Arbeit rum. Die „Neue“ wurde etwas nervös – juhu, vielleicht geht mein Plan auf? Aber nein, sie schickte mich am Reitplatz an einer langen Leine und einem gewollten Kreis um sich rum. Ich glaube sie nennt das „longieren“. Da ich aber nicht so genau verstanden habe was sie möchte – ich hab das vorher noch nie gemacht – bin ich eher rumgeeiert, habe aber brav versucht umzusetzen was sie von mir verlangte.

Anscheinend habe ich es zu ihrer Zufriedenheit erledigt, denn sie hat mich ganz viel gelobt und mir Leckerchen zugesteckt. Nun wollte sie aber reiten und das wollte ich nicht. Also habe ich beschlossen, einfach nicht stehen zu bleiben, wenn sie aufsteigen möchte.

Leider haben sie mich dann doch überlistet und bis ich überlegen konnte, welche Tricks ich aus meiner Kiste ziehen kann, saß sie auch schon auf mir oben. Na gut, dann laufen wir halt mal schön im Schritt um diesen Reitplatz. War eigentlich gar nicht so schlimm und die „Neue“ wirkte ganz nett.

Dann wollte sie traben und ich habe schon gemerkt, dass sie etwas nervös wurde. Vielleicht habe ich sie mit meinem eindrucksvollen Trab im Roundpen ja doch etwas verschreckt? Aber alles beten hat nichts geholfen, sie wollte traben. Also dann: bitte – deine Entscheidung! Los geht’s im schnellen Trab. Nach ein paar Tritten war ich mir aber nicht mehr sicher, ob ich mein Programm „ich will sie loswerden“ noch durchziehen möchte, denn die „Neue“ da oben, wirkte sehr nervös und hilflos mit der Geschwindigkeit. Also bin ich einfach zurück in den Schritt und gab ihr ein paar Minuten Zeit zur Entspannung. Mir aber schon auch!

Ein paar Tage später wurde ich dann in einen Hänger verladen und musste umziehen. So viel zu meinem Traum mit einem entspannten Leben in meiner Herde. Beim Ausladen war sie dann wieder da – die „Neue“. Und ab da jeden Tag.

Tilly
Ich darf immer sein wie ich bin – das finde ich so toll an meiner „Möhrchengeberin“.

Ende gut – alles gut?

Ich weiß nicht, warum sich meine „Möhrchengeberin“ dann schlussendlich doch dazu entschieden hat, mich zu kaufen. Aber im Nachhinein bin ich gar nicht so unzufrieden mit ihrer Entscheidung. Wir haben viel Spaß zusammen, sie macht viel Quatsch mit mir und gibt mir ziemlich viele Möhren. Seit fast 4 Jahren ist sie nun an meiner Seite und hat mich nie aufgegeben, obwohl ich es ihr echt nicht leicht mache. Sie versucht wirklich, mir Zeit zu geben, legt eine „Eselsgeduld“ an den Tag und bringt täglich neue Ideen mit zum Training. Manchmal freue ich mich richtig sie zu sehen und begrüße sie mit einem brummeln – aber das mache ich mal lieber nicht zu oft, nicht das sie sich noch daran gewöhnt.

Wenn ihr mehr über meine Ausbildung zum „Freizeitpferd“ wissen wollt, lest doch einfach bei Tilly´s Diary nach. Ich bin sicher, ich kann euch mit den Versuchen, meine „Möhrchengeberin“ in den Wahnsinn zu treiben, belustigen.

Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit, getreu nach dem Motto:

„Gib deinem Pferd liebevolle Sicherheit, die du selbst tief in dir spürst – erst dann kann es dir vollkommen vertrauen!“

Stella Kleinekort

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