Allgemein

Fellwechsel beim Pferd

Eine allgemeine Aussage ist, dass der Fellwechsel unserer Pferde im Frühjahr und im Herbst statt findet. Allerdings trifft dieser Rhythmus nicht ganz zu, denn der eigentliche Fellwechsel beginnt meist schon im Dezember bzw. aktuell im Juni. Wie du dein Pferd jetzt aktiv unterstützen kannst, möchte ich dir in meinem Beitrag erläutern.

Fellwechsel: Tageslicht als Auslöser

Pferden dient neben der Temperatur auch das Tageslicht als Auslöser für den Fellwechsel. Mit dem kürzesten Tag im Jahr, also dem Winteranfang Mitte Dezember, ist der Fellwechsel abgeschlossen und das Winterfell fertig. Jetzt beginnt bereits die Produktion des Sommerfells.

Und mit dem längsten Tag des Jahres, also Mitte Juni, beginnt bereits der Fellwechsel zum Winterfell. Somit hat der Fellwechsel unserer Pferde eigentlich nichts mit Herbst und Frühjahr zu tun.

Fellwechsel beim Pferd
Der Fellwechsel beim Pferd hat seinen eigenen Rhythmus und findet viel früher statt, als gedacht!

Registriert wird die Veränderung des Tageslichts durch die Zirbeldrüse des Pferdes. Die Zirbeldrüse ist eine Hormondrüse, welche an dem Gehirn angegliedert ist. Sie produziert Melatonin und steuert damit die Schlaf-Wach-Phasen, die Fortpflanzung und auch den Fellwechsel.

Wenn also die Tage zu Beginn des Jahres im Januar länger werden, gibt die Zirbeldrüse das Signal, dass der Winter dem Ende entgegen geht und das Winterfell langsam abgeworfen werden kann.

Dabei spielen die Temperaturen nur eine untergeordnete Rolle. Sollte es jedoch nochmal zu einem Kälteeinbruch kommen, stoppt der Fellwechsel.

Mit Beginn des längsten Tages im Jahr, also Mitte Juni, gibt die Zirbeldrüse das Signal, Winterfell zu produzieren. Somit stehen unsere Pferde aktuell schon im Fellwechsel.

Vom Sommerfell zum Winterfell

Gefühlt hat Tilly ihr Winterfell erst vor 8 Wochen komplett abgeworfen. Allerdings verliert sie aktuell schon wieder Fell. Das ist also ihr Zeichen an mich, sie aktiv zu unterstützen. Wie ich sie unterstütze, erzähle ich dir gleich.

Der Fellwechsel von Sommerfell auf Winterfell dauert nicht so lange wie von Winter- auf Sommerfell. In der Regel sind es nur einige Wochen. Das richtet sich aber auch nach den Temperaturen. Sobald es nachts kälter wird, geht der Fellwechsel relativ schnell voran und wir haben wieder Plüschperde.

Die Felldichte richtet sich aber auch danach, ob dein Pferd in einem Offenstall steht oder in Boxenhaltung gehalten wird. Auch spielt das Eindecken eine große Rolle. Einen tollen Bericht zum Thema „Pferde eindecken – ja oder nein?“ findest du hier bei Sandra Fencl.

Vom Winterfell zum Sommerfell

Ich glaube, dass es jedem Pferdebesitzer vor diesem Fellwechsel „graust“. Also mir auf jeden Fall. Erstens dauert der Fellwechsel vom Winterfell zum Sommerfell ziemlich lange und Tilly schiebt und verliert dadurch auch sehr viel Fell.

Dass dieser Fellwechsel so lange dauert, liegt vor allem daran, dass zuerst die langen Oberhaare und dann das dicke Unterfell abgeworfen werden. Somit ist es nicht verwunderlich, dass wir über mehrere Wochen ziemlich viel Fell einsammeln dürfen.

Hochleistung: Fellwechsel

Der Fellwechsel ist für unser Pferd und seinem Stoffwechsel vor allem Eines: ein immenser Kraftakt! Denn jedes halbe Jahr muss ein neues Fell produziert und das alte Fell abgeworfen werden. Auch muss es sich den schwankenden Temperaturen anpassen.

Gerade wenn wir bedenken, dass unsere Pferde jetzt, Mitten im Sommer, schon anfangen ihr Winterfell zu produzieren. Wir Pferdebesitzer erfreuen uns noch den warmen Temperaturen und laufen in T-Shirt und kurzer Hose rum und bei unseren Pferden läuft die Thermoregulierung bereits auf Hochtouren.

Temperaturwechsel machen unseren 4-beinigen Freunden schwer zu schaffen, daher sind sie im Fellwechsel meistens sehr schlapp. Dadurch verlieren die meisten Pferde im Fellwechsel auch einiges an Gewicht.

Aber wir können unsere Pferde super gut unterstützen und ziemlich gut durch den Fellwechsel bringen.

Aktive Unterstützung im Fellwechsel
Wir können unsere Pferde im Fellwechsel durch richtige Fütterung unterstützen.

Unterstützung im Fellwechsel

Mit der richtigen Fütterung können wir den Fellwechsel unserer Pferde aktiv unterstützen. Wenn dein Pferd zum Beispiel im Fellwechsel Gewicht verliert und du das vermeiden möchtest, kannst du einfach die Futterration erhöhen.

Der Fellwechsel benötigt sehr viel Energie, daher ist eine Fütterung von Zusatzfutter durchaus sinnvoll. Mit folgenden Vitalstoffen solltest du dein Pferd während des Fellwechsels unterstützen:

  • Eiweiße & Aminosäuren
  • Zink (ideal: Zinkchelat)
  • Magnesium (ideal: Magnesiumcitrat)
  • Biotin oder Vitamin H
  • Vitamin C & E

Vor allem die Eiweiße werden benötigt, um neues Fell wachsen zu lassen. Während des Fellwechsel muss dein Pferd sehr viele Eiweiße bilden. Eine der besten Eiweißquellen ist Hafer. Aber auch Gerste und Luzerne sind tolle Eiweiß-Lieferanten.

Zink ist an der Bildung von Keratin beteiligt. Keratin ist der Hauptbestandteil der Haare. Viele Pferde leiden während des Fellwechsel unter Zinkmangel. Daher hat mir mein Tierarzt geraten, Tilly während der beiden Fellwechsel immer aktiv mit Zink zu unterstützen. Seit ich das tue, haben wir absolut keine Probleme mehr im Fellwechsel.

Magnesium (ideal als Magnesiumcitrat) unterstützt auch den gesamten Stoffwechsel deines Pferdes. Magnesium ist aber auch wichtig für die Entgiftung und wirkt bei nervösen Pferden beruhigend. Gern eingesetzt wird Magnesium auch bei Ekzemern.

Weiterhin benötigt dein Pferd neben Eiweißen, Zink und Magnesium noch Kupfer, Mangan, Schwefel, Selen und Biotin für das Zellwachstum und die Neubildung der Haare.

Unterstützend für den Stoffwechsel kannst du deinem Pferd auch Brennessel und Gänseblümchen füttern. Als wahre Vitamin-C-Bombe eignet sich wunderbar die Hagebutte.

Wichtig ist aber, dass du alle Änderungen im Speiseplan deines Pferdes mit deinem Tierarzt absprichst. Denn weder Zuviel, noch zu wenig ist gut für dein Pferd! Im Zweifelsfall hilft ein Blutbild, um eventuelle Mängel festzustellen.

Was du noch tun kannst

Es gibt noch weitere wunderbare Möglichkeiten, deinem Pferd dem Fellwechsel zu erleichtern:

  1. Massagen: Sie regen das Immunsystem und den Stoffwechsel an und tun einfach gut! Ich bevorzuge die Masterson-Methode. Nebenbei stärkt das auch noch unsere Bindung.
  2. Putzen – Putzen- Putzen: Es stimuliert den Kreislauf und hilft die toten Haare schnell los zu werden.
  3. Wälz-Stellen: Während des Fellwechsels juckt das Fell ganz ordentlich. Deswegen sollten wir unseren Pferden die Möglichkeit geben, sich ausgiebig wälzen zu können. Und ganz nebenbei, gehen auch hier die alten Haare aus.
  4. Pferde-Kumpels: Die soziale Fellpflege unter Pferden – also das gegenseitige Beknappern – ist nicht nur ein Muss für die Pferdeseele, sondern hilft auch, das juckende Fell los zu werden.
Fellpflege ist nicht nur ein Sozialbedürfniss unserer Pferde, sondern hilft auch, juckendes Fell los zu werden.
Fellpflege ist nicht nur ein Sozialbedürfniss unserer Pferde, sondern hilft auch, juckendes Fell los zu werden.

Pferdetraining während des Fellwechsels

Während des Fellwechsel fühlen sich unsere Pferde oft müde und ausgelaugt. Daher ist hier schonende Bewegung angebracht. Vermeide schweißtreibende Trainingseinheiten und genieße lieber entspannte Ausritte, gemeinsame Spaziergänge oder leichte Bodenarbeit.

Wichtig ist, die Pferde auch in Zeiten des Fellwechsel zu bewegen. Denn ohne Bewegung findet keine gute Blutzirkulation statt und somit verlangsamt sich auch der Stoffwechsel unserer Pferde.

Wie ich Tilly während des Fellwechsels unterstütze

Neben einem entspannten Training und fast täglicher Fellpflege, gönne ich meinem Pferd regelmäßig eine Massageeinheit nach der Masterson-Methode. Außerdem füttere ich ihr EQUIPUR – Zink forte*, sowie Pharmox Magnesiumcitrat*.

Als Eiweiß-Quelle zähle ich auf eine Handvoll Hafer oder Haferflocken. Und natürlich erhält sie ein sehr gutes Mineralfutter. Gute Erfahrungen haben wir mit Höveler Reformin Plus gemacht. Das wurde mir auch von meinem Tierarzt empfohlen. Aber in Sachen Mineralfutter gehen die Meinungen ja auch weit auseinander und da sollte jeder für sich entscheiden, was er seinem Pferd füttern möchte.

Und natürlich dürfen Brennessel, Gänseblümchen und Hagebutte nicht auf dem Speiseplan fehlen.

Weiterführende Links

Es gibt noch ein paar wirklich tolle Berichte zum Thema „Fellwechsel“, die ich dir natürlich nicht vorenthalten möchte. Daher verlinke ich sie dir hier: