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Traber kaufen – Tipps zum Traberkauf

Traber kaufen – auf was du unbedingt achten solltest

Du möchtest dir gerne einen Traber von der Rennbahn kaufen, brauchst aber noch eine Anleitung auf was du achten solltest? Dann möchte ich dir hier meine Erfahrungswerte mitgeben und erzähle dir, auf was ich bei dem Kauf achten würde.

Die Geschichte deines Trabers

Als allererstes würde ich den aktuellen Besitzer / die Besitzerin viele Fragen zu deinem potentiellen Partner Pferd befragen:

  • Wie alt ist der Traber?
  • Wie lange war er auf der Rennbahn?
  • Welche Erfolge konnte er verzeichnen?
  • Wie viele Besitzer hatte der Traber schon?
  • Aus welcher Zuchtrichtung stammt der Traber?
  • Hat er eine Tölt-Veranlagung?
  • Kann er galoppieren?
  • Warum wird der Traber aus dem Sport genommen?

Diese Fragen geben dir schon mal Aufschluss darauf, durch wie viele Hände dein eventuelles Pferd schon gegangen ist. Weiterhin kannst du bei seinen Erfolgen auch ersehen, wie schnell der Traber unterwegs ist. Die wichtigste Frage für mich ist auch, warum der Traber aus dem Sport genommen wird. Ist es für ihn / sie zu stressig? Zu alt? Leistung zu gering? So kannst du dir schon mal ein erstes Bild verschaffen.

Die Ausbildung deines Trabers

Diese Fragen sind wichtig, damit du einschätzen kannst, wie du die Ausbildung deines potentiellen Trabers fortführen bzw. neu beginnen kannst.

  • In welchem Alter wurde mit dem Training begonnen?
  • Wie wurde das Pferd trainiert? Gibt es eine spezielle Kommunikation? (Zügelhilfe, Stimmkommandos)
  • Wie viele Trainer hatte das Pferd?
  • Wurde er regelmäßig dem Tierarzt und Hufschmied vorgestellt? Wann waren die letzten Untersuchungen?
  • Wie wurde er beschlagen?
  • Hat das Pferd auch physiotherapeutische Behandlungen genossen?
  • Wurde der Traber bereits geritten?
  • Welche Zäumung wurde genutzt? (Wassertrense oder ähnliches)
  • Wie ist die Haltung? Bekommt er genug Auslauf?
  • Steht er noch im Training oder ist er schon in Rente? Wenn ja, wie lange ist er schon in Rente?
  • Bei Stuten: hatte sie schon Fohlen? Wenn ja, wie viele und in welchem Alter hat sie die Fohlen bekommen?

Stelle so viele Fragen, wie es dir möglich ist. Gerade der Punkt „spezielle Kommunikation“ ist sehr wichtig. Denn die meisten Traber lernen, dass ein Zug am Zügel schneller laufen heißt.

Ein Geheimtipp meinerseits ist auch beim Noch-Besitzer nachzufragen, ob dem Pferd während eines Rennens Watte in die Ohren gestopft wurde. Denn wenn ja, bedeutet dies in den meisten Fällen, dass die Pferde geräuschempfindlich sind.

Auch der Bezug zum genutzten Equipment ist wichtig. Sollte dein Traber schon geritten worden sein, solltest du überprüfen, ob der genutzte Sattel einigermaßen gut gepasst hat, oder ob das Pferd im Rücken sehr empfindlich ist, wenn der Sattel aufgelegt wird. Auch die Gebiss-Frage solltest du stellen. Denn je nach Schärfe des genutzten Gebisses weißt du, wie empfindlich oder „abgetötet“ das Maul des Pferdes ist.

Die Frage, ob er noch im Training steht oder schon in Rente ist, ist auch immens wichtig. Denn wenn er noch trainiert ist, hat dein Traber noch einen ausgiebigen Bewegungsdrang, welchem du gerecht werden musst.

Wenn es irgendwie möglich ist, lasse dir zeigen, wie der Traber trainiert wird. Auch ein paar Runden im Roundpen zeigen dir schon mal, wie gut der Traber auf Stimmkommandos bzw. seinen Trainer reagiert.

Das Exterieur des Trabers

Stell dich vor deinen Traber und schau dir genau seinen Körperbau an.

  • Ist er überbaut?
  • Wie ist seine Muskulatur?
  • Streiche die Beine ab und überprüfe, ob du Unregelmäßigkeiten bemerkst (Sehnen, Überbeine).
  • Überprüfe den Rücken – reagiert er in der Sattellage empfindlich?

Traberkauf – Trainingsunfälle

Frage die Besitzer auf jedenfall und unbedingt, ob der Traber bereits Unfälle gehabt hat. Denn während der Trainingseinheiten und auch beim Rennen, passieren sehr oft schlimme Unfälle, die dein Pferd entsprechend geprägt haben.

Ankaufsuntersuchung deines Trabers

Bestehe bitte unbedingt auf eine Ankaufsuntersuchung deines potentiellen künftigen Wegbegleiters. Lasse vor allem die Beine des Trabers röntgen. Denn gerade die Beine sind durch die Rennen stark beansprucht worden. Auch solltest du das Augenmerk des Tierarztes auf eventuell zurückliegende Unfälle lenken. Wichtig ist auch die Gesundheit des Pferderückens, denn dieser soll dich ja in Zukunft tragen.

IMG 20200112 WA0002 Tilly's World Einfach! Pferdeliebe.
Lasse deinen potentiellen Traber unbedingt tierärztlich durchchecken, bevor du eine Kaufentscheidung triffst.

Der Charakter deines Trabers

Nimm dir die Zeit, deinen Traber ausgiebig auf Herz und Nieren zu prüfen.

  • Wie verhält er sich beim Putzen? Steht er ruhig? Muss er von beiden Seiten angehängt werden?
  • Wie gibt er seine Hufe? Kannst du diese gut auskratzen ohne das er sie dir sofort wieder weg zieht?
  • Lässt er sich vernünftig führen oder rennt er ständig vor oder hinter dir?
  • Wirkt er generell entspannt oder ist er eher nervös?
  • Lässt er sich überall von dir berühren? Augen, Nase, Bauch – wirklich überall!

Die Fütterung deines Trabers

Frage die Besitzer, wie das Pferd aktuell gefüttert wird.

  • Wie viel Heu bekommt der Traber aktuell?
  • Welches Kraftfutter und in welchen Mengen?
  • Erhält es entsprechendes Zusatzfutter wie Mineralfutter, Spurenelemente, Magnesium etc.
  • Wie oft wurde er / sie bisher entwurmt und mit welchem Mittel?
  • Bestehen Unverträglichkeiten / Allergien?

Wird dein Traber aktuell noch trainiert oder ist er erst seit kurzem in Rente, benötigt er noch eine hohe Menge an Futter. Die Umstellung muss dann nach und nach erfolgen und dem entsprechenden Trainingszustand angepasst werden.

Die meisten Traber sind aufgrund ihrer Züchtung eher schwerfuttrig und benötigen eine größere Menge an Futter wie leichtfuttrige Pferde.

Traberkauf – dein Gefühl

Noch wichtiger wie alle oben genannten Punkte ist aber, wie du dich in der Nähe deines potentiellen neuen Partners Pferd fühlst.

  • Fühlst du dich wohl oder hast du eher Angst?
  • Findest du Geschwindigkeit toll oder bist du eher der gemütliche Typ?
  • Sollte dein Traber schon geritten sein und du einen Proberitt gestartet haben: hast du dich auf ihm wohl und sicher gefühlt?

Traberkauf: ja oder nein?

  • Ist die Ankaufsuntersuchung gut gelaufen?
  • Sind alle deine Fragen beantwortet?
  • Hast du ein gutes Gefühl bei deinem Traber?
  • Hast du schon ein Ausbildungskonzept für euren künftigen Weg?
  • Macht dir Geschwindigkeit nichts aus?
  • Denkst du auch gerne mal quer und probierst auch andere Wege aus?
  • Weißt du eine gute Trainerin / einen guten Trainer, der die helfen kann?
  • Kannst du dem Traber ein pferdegerechtes Leben mit viel Bewegung und Kumpels bieten?

Wenn du alle diese Fragen mit „Ja“ beantworten kannst: herzlichen Glückwunsch zu deinem neuen Partner!

Solltest du aber Angst vor dem Traber haben, dich in seiner Nähe nicht wohl fühlen, dann bitte ich dich: kaufe ihn nicht! Die weitere Ausbildung wird dich sonst total überfordern und du züchtest dir mit großer Wahrscheinlichkeit ein „Problempferd“ ins Haus.

Traber sind generell wirklich tolle Partner, aber nicht für Jedermann geeignet. Und nicht jeder Traber ist gleich, genauso wie nicht jeder Reiter gleich ist.

Ich hoffe, ich konnte dir mit meinem „Leitfaden“ helfen, deine Entscheidung in Bezug auf den Kauf eines Trabers zu erleichtern.

Möchtest du mir deine Geschichte erzählen? Dann schreibe mir – ich freue mich darauf, spannende Geschichten zu lesen.