Headshaking?

Headshaking (Kopfschütteln) oder einfach nur eine Macke?

Ich habe dir ja schon in meinem Beitrag „Passt mein Sattel?“ erzählt, dass Tilly während unserer ersten Ausreiten mit Headshaking (zu Deutsch: Kopfschütteln) angefangen hat. Da ich danach festgestellt habe, das mein Sattel nicht passt, dachte ich, ich habe die Lösung gefunden.

Ohne Sattel haben wir weiter vom Boden aus trainiert und natürlich auch das LAD-Konzept weiter gefestigt. Während der Trainingseinheiten ist mir aufgefallen, dass Tilly ungewöhnlich oft mit dem Kopf schlägt. Wobei das an sich nichts Neues ist. Seit ich sie übernommen habe, macht sie mir mit Kopfschlagen klar, dass ihr etwas nicht passt. Das „mir-passt-etwas-nicht“-Schlagen hat eher ein kreisförmiges rotieren des Kopfes mit fliegender Mähne. Dieses „neue“ Kopfschlagen sieht eher wie Zuckungen nach oben aus und kommt einfach mittendrin. Egal ob im Schritt, Trab oder beim Stehen.

Headshaking oder Kopfschütteln, Macke oder wirkliche Krankheit
Mitten im Training wirft Tilly ihren Kopf von unten nach oben. So als hätte sie einen Schwarm Fliegen vor sich, die sie los werden möchte. Das Werfen ist so heftig, dass ich keine korrekte Verbindung mit der Longe aufrecht erhalten kann.

Kopfschütteln: einfach nur Macke oder hat sie wirklich ein Problem?

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich dieses Kopfschütteln erstmal als „Macke“ abgetan habe. Allerdings wird diese „Macke“ immer heftiger und jetzt muss ich einsehen, das ich ihr wohl Unrecht getan habe.

Wenn ich jetzt ihr Verhalten in den letzten Wochen neu betrachte, sind mir folgende Punkte aufgefallen:

  • Tilly reibt ganz oft ihre Nüstern an den Beinen
  • sie schnaubt (oder niest?) ungewöhnlich oft ab
  • während der Bewegungseinheiten hat sie Nasenausfluss
  • sie steht ungewöhnlich oft und lange im Unterstand, sobald die Sonne raus kommt
  • auf dem Paddock schlägt sie relativ selten mit dem Kopf, sondern zuckt nur leicht
  • das „Shaken“ findet hauptsächlich beim Spazieren gehen, longieren und reiten statt.

Alles Punkte, die mir vorher nicht aufgefallen sind. Die letzten Jahre rückblickend, gab es diese Symptome auch noch nicht bei uns. Also doch keine „Macke“ sondern ein ernsthaftes Problem?

Recherche im Internet – alles deutet auf „Headshaking“ hin

Wenn du keine auf Pferde spezialisierte Tierärztin (oder „Pferdeprofi“) als Freundin hast, die du jederzeit anrufen und fragen kannst, recherchiert man viel im Internet. Also zumindest ich. Im www bin ich auf einen interessanten Bericht von Masterhose* aufmerksam geworden, den ich hier kurz zusammenfassen möchte:

Training mit einem Headshaker macht keinem Spaß - weder Pferd noch Besitzer.
So macht Training keinen Spaß – weder mir noch Tilly. Also muss Ursachen-Forschung her!

Was ist Headshaking?

Headshaking ist ein Symptom, welches durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann. Beim krankhaften Kopfschütteln schlägt das Pferd ohne ersichtlichen Grund teilweise heftig mit dem Kopf. Der Schädel wird horizontal, vertikal oder auch rotierend bewegt.

Dabei unterscheidet man drei Formen des „Headshakens“:

  1. Stereotypes Headshaking: Hierbei handelt es sich um eine eher seltene Verhaltensstörung, die durch schlechte Haltung oder auch Stress ausgelöst wird.
  2. Symptomatisches Headshaking: Bei dieser Form liegt eine definierbare Erkrankung des Pferdes vor. So können zum Beispiel Schmerzen im Halsbereich (Muskulatur, Halswirbelsäure), Zahnprobleme oder auch Infekte oder Parasiten in den Ohren zum Kopfschlagen führen.
  3. Idiopathisches Headshaking: Das ist die mit Abstand am häufigsten auftretende Form des zwanghaften Kopfschüttelns. Idiopathisch kommt aus dem Griechischen und bedeutet „ohne erkennbare Ursache“. Es kann also kein spezifischer Auslöser für das Headshaking gefunden werden. Inzwischen zählt man auch die „Trigeminusneuralgie“ zu dieser Verlaufsform, einer Entzündung des fünften Hirnnervs.

Das Headshaking beim Pferd kommt von einem Tag auf den anderen und betrifft alle Rassen. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass mehr Wallache und Hengste als Stuten betroffen sind. Die Symptome zeigen sich überwiegend im Frühjahr und Sommer

Typische Symptome

Das Leit-Symptom des Headshakings beim Pferd ist das plötzliche und immer wiederkehrende Auf- und-Abschlagen oder auch Schütteln des Kopfes. Als weitere Begleiterscheinungen können folgende Symptome auftreten:

  • Reiben der Nüstern an den Vorderbeinen oder auch Hochziehen des Vorderbeins zur Nase.
  • Vermehrtes Schnauben oder Niesen.
  • Reiben der Nase am Boden oder an der Wand.
  • Verstärkter, klarer oder weißlicher Nasenausfluss.
  • Schlabbern mit der Oberlippe.
  • Zucken der Gesichtsmuskeln.
  • Aktives Meiden von Helligkeit, Sonne, Wärme und Wind, Tiere verstecken sich im Schatten oder einer dunklen Ecke der Box.

Die Symptome verschlimmern sich in stressigen Situationen. Sie treten meist an der Longe oder unter dem Sattel auf, selten beim Frei Laufen oder auf der Koppel. Die Intensität des Headshakings hängt auch von den Witterungsbedingungen ab. Ist es sonnig, hell und warm, machen sich die Symptome verstärkt bemerkbar.

Meine eigene Diagnose: Headshaking

Nachdem ich den Artikel bei Masterhorse gelesen habe (hier der Link für weiterführende Informationen: https://www.masterhorse.de/expertentipps/pferd/nervositaet/headshaking-beim-pferd) wurde mir bewusst, dass wir jetzt wirklich ein Problem haben.

Da ich mich aber sicherlich nicht auf meine „Eigendiagnose“ verlassen möchte, werde ich natürlich einen Fachmann zur Rate ziehen. Bei uns steht sowieso ein Besuch der Pferdephsiotherapeuthin an, welche ich um Rat fragen werde. Außerdem werde ich Tilly von einem Tierarzt durch checken lassen.

Um ihr das Leben bis dahin zu erleichtern, werde ich sie mit einer Gesichtsmaske inklusive Nüsternnetz mit UV-Schutz ausstatten. Außerdem werden wir erstmal gebisslos reiten und ich werde ihr Magnesium füttern. Magnesium hat viele tolle Eigenschaften. Unter anderem sagt man Magnesium auch eine entzündungshemmende Wirkung nach.

Wie es weiter geht…

Neben den oben genannten Maßnahmen wie Physio und Tierarzt, werde ich natürlich weiterhin die Situation beobachten und versuchen zu analysieren. Als Profi-Tipp im Internet wurde vorgeschlagen, dass man ein Tagebuch führen sollte. Hierbei soll man feststellen, bei welcher Witterung und in welchen Situationen das Pferd mit dem Kopf schlägt.

Und natürlich werde ich dich auf dem Laufenden halten. Ich berichte dir, welche weiteren Maßnahmen wir ergreifen, wie was wirkt und was hoffentlich wirklich hilft.

Hast du Erfahrungen im Umgang mit Headshaking? Dann bitte schreibe mir. Ich bin dankbar für jeden Tipp!

Videotipp von Dr. Kai Kreling zum Thema Headshaking

Hier verlinke ich dir noch ein tolles Video von Dr. Kai Kreling über das Thema Headshaking. Das hat mir wirklich sehr gut weiter geholfen!

Videotipp von Pferdephysiotherapie Hof Eicheneck, Ariane Tegen

Auch dieses Video ist sehr informativ. Ariane Tegen zeigt dir an Praxisbeispielen am Pferd, auf was man alles beim Thema „Headshaking“ achten kann und woher die Symptome kommen könnten.

Hier der Link zu dem wirklich sehr informativen Video: Ariane Tegen, Hof Eicheneck / Thema: Headshaking (Youtube)

Updateberichte zum Verlauf und zur Behandlung

Update 1: Besuch des Tierarztes (08. Mai 2020)

Gestern war zufällig ein Tierarzt bei uns im Stall, da eines der anderen Pferde verdacht auf Hufrehe hat. Ich habe ihn dann gleich gebeten, sich Tilly anzuschauen und ihm die Auffälligkeiten mitgeteilt.

Und ja, er hat meinen Verdacht auf Headshaking bestätigt. Er meinte, wenn die Symptome so urplötzlich auftauchen könne das sehr gut sein. Um die Diagnose aber zu bestätigen, müsste er Tilly ordentlich durch checken. Er würde damit anfangen, ihre Halswirbelsäule zu röntgen.

Der Termin zum Röntgen würde so in 14 Tagen statt finden, da er sowieso nochmal zur Nachkontrolle des Pferdes mit Hufrehe-Verdacht käme.

Vorgezogener Termin mit der Physiotherapeutin

Ich bin kein großer Fan vom Röntgen, da die meisten Tierärzte dazu das Pferd sedieren. Daher habe ich meine Physiotherapeutin gefragt, ob sie einen früheren Termin hat. Vielleicht kann sie uns ja mit Alternativmedizin helfen. Im besten Fall hat sich Tilly einfach nur etwas eingezwickt und drückt ihre Schmerzen mit Kopfschütteln aus. Oder reagiert extrem auf Pollenflug.

Update 2: Besuch der Physiotherapeutin (13.05.2020)

Gestern war die Pyhsiotherapeutin zu Besuch. Wir haben ausgiebig analysiert, um was es sich bei Tilly`s Symptome handeln könnte.

Tilly hat erst eine ausgiebige Schallwellenbehandlung erhalten. Danach folgte eine Physiotherapie, sowie eine Akkupunktur.

Wie immer hat sich mein Stütchen erstmal überhaupt nicht auf die Behandlung eingelassen. Vor lauter Überspannungshandlung hat sie mir sogar in den Arm gebissen. Danach habe ich ihr den Führstrick zum rein beißen angeboten ;-).

Bei der physiotherapeutischen Behandlung konnten nur drei leichte Blockaden in der Halswirbelsäule festgestellt werden. Diese sind zwar für das Pferd etwas unangenehm, lösen aber nicht das heftige Kopfschütteln aus.

Weiterhin meinte meine Physiotherapeutin noch, dass Tilly´s rechter Schulterbereich etwas steif ist. Dafür hat sie mir 2 Übungen gezeigt, die ich selber durchführen kann. Ansonsten gab es keine Auffälligkeiten.

Ich werde Tilly heute einen Pausentag gönnen und sie morgen longieren. Hoffentlich hat die Behandlung einen Erfolg gebracht und sie wirft den Kopf morgen nicht mehr. Daumen drücken :-).

Update 3: Das Kopfschütteln geht weiter (15.05.2020)

Der Pausentag hat uns Beiden wirklich gut getan. Wie mit der Physiotherapeutin besprochen, habe ich Tilly heute locker bewegt. Leider war das Kopfschütteln bzw. Headshaken nicht wirklich besser. Ich warte jetzt einfach mal ab, ob sich die Tage noch Besserung zeigt.

Update 4: Besserung ist in Sicht (19.05.2020)

Gestern war nochmal die Physiotherapeutin da, um Tilly zu Akkupunktieren. Sie wollte Tilly aber vorher noch in Bewegung sehen, damit sie sich ein Bild von ihrem Zustand machen konnte.

Da am vorherigen Samstag die Barhufpflegerin da war, habe ich Tilly vorsichtshalber die Hufschuhe angezogen.

Wir sind also runter auf den Reitplatz, haben uns kurz aufgewärmt und dann ging es ans Longieren. Und was soll ich sagen? Tilly zeigte absolut kein einziges mal das Headshaken. Über 4 Wochen wusste ich nicht, was los war und wollte der Physiotherapeutin zeigen, wie schlimm die Situation für uns Beide ist und dann? Nichts. Kein einziges Mal!

Also sind wir ins Ausschluss-Verfahren übergegangen und haben folgende Punkte gecheckt:

  1. Hufe
  2. Equipment (Sattel, Zaumzeug, Kappzaum)
  3. Haltung
  4. Fütterung
  5. Muskulatur von Tilly
  6. Training Allgemein

Nach der Analyse sind wir zu folgendem Ergebnis gekommen:

1. Hufe: Tilly ist seit fast 1 Jahr Barhufer. Die Umstellung ist relativ schwierig. Sie hat untergeschobene Trachten und die Zehen wachsen etwas zu schnell. Daher kommt die Barhufpflegerin im Schnitt alle 4-6 Wochen.

Dieses eine Mal hat sie leider etwas zu viel von den Zehen weg genommen, deswegen lief sie etwas fühlig und daher hatte ich ihr zum Longieren auch die Hufschuhe angezogen. Ansonsten sehen die Hufe aber sehr gut aus.

Keine Beanstandung.

2. Equipment: Wir haben sowohl den Sattel, als auch Zaumzeug und Kappzaum geprüft.

Das mein Baum-Sattel nicht passt, wusste ich ja schon. Durch Zufall bin ich darauf gekommen, dass man das Zwiesel bei dem Sattel tauschen kann. Das habe ich auch gemacht. Jetzt sitzt er an der linken Schuler super. Aber da mein Pferd noch schief ist, ist er rechts etwas zu eng. Laut Physio könnte ich das aber mit Aufpolstern verbessern.

Mein Zaumzeug passt eigentlich auch. Wenn ich denn mit Trense reite, nutze ich eine einfach gebrochene, dünne Wassertrense.

Mein selbst gebastelter Kappzaum aus Biothane mit Ohrenfreiheit sitzt auch sehr gut. Von daher kann hier eigentlich auch nichts drücken.

Auch keine weitere Beanstandung.

3. Haltung: Tilly genießt eine Haltung auf einem Tagespaddock in einer 2er-Herde. Nachts steht sie in einer ziemlich großen Box. Es gibt für sie 24 Stunden Heu und ausreichend Bewegung. Sie haben alle Sozialkontakt zu den Nachbarpferden. Wir haben auf jeder Koppel einen Unterstand, der vor Witterung schützt. Somit gibt es auch hier keine weitere Beanstandung.

4. Fütterung: Wie schon erwähnt, bekommt mein Pferd 24 Stunden Heu zur Verfügung gestellt. Als Kraftfutter bekommt sie einen Natur-Mix und gutes Mineralfutter. Plus natürlich Kräuter :-). Hafer füttere ich keinen, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass dadurch ihr „normales“ Kopfschütteln schlimmer wird. Zusätzlich füttere ich Tilly noch Magnesium für die Nerven.

Auch hier hatte die Physiotherapeutin nichts zu bemängeln.

5. Muskulatur: Laut Physiotherapeutin ist Tilly gut bemuskelt. Es könnte natürlich besser sein, aber das kommt dann beim regelmäßigen Reiten. Der Rücken und die Hinterhand sind super. Da musste physiotechnisch nichts gemacht werden. Nur die rechte Schulter ist etwas schwach. Aber dafür hat sie mir Übungen an die Hand gegeben.

Also ist auch hier alles ausgeschlossen.

6. Training Allgemein: Das Longieren nach dem LAD-Konzept trägt endlich Früchte. Rücken und Hinterhand sind in Top-Form. Da wir sehr abwechslungsreich trainieren, hatte sie hier auch keine Bemängelungen.

Diagnose: alles GUT! Aber woher kommt dann das Kopfschütteln?

Ehrlich gesagt, wir wissen es nicht! Auf Anraten meiner Physiotherapeutin füttere ich Tilly jetzt ein Präparat mit Tryptophan. Tryptophan wirkt sich sehr nervenberuhigend aus. Ich habe mich für das Produkt von Makana entschieden. Es enthält auch Magnesium, Lysin, Vitamin E und Vitamin B12. Gerne verlinke* ich es dir hier:

Ich weiß nicht, ob es das Combi-Pulver ist, dass das Headshaken verschwinden hat lassen, aber nach einer Woche zufüttern ist Tilly wieder mein „altes“ Pferd und von Kopfschütteln sind wir weit weg.

Ich muss aber dazu sagen, dass ich aktuell zum Bewegen immer die Hufschuhe anhabe. Außerdem reite ich gebisslos. All das zusammen hat aktuell das Ergebnis, dass das extreme Kopfschütteln weg ist.

Hoffentlich bleibt es so. Natürlich werde ich das Ganze weiter beobachten und dich auf dem Laufenden halten!

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