Equipment

Passt mein Sattel? Auf der endlosen Suche nach dem passenden Equipment.

Welcher Sattel soll es denn sein? Englisch? Western? Spanisch? Baumlos? Mit Baum? Fragen über Fragen, die wirklich jeden Reiter beschäftigen.
Welcher Sattel soll es denn sein: Englisch? Western? Spanisch? Baumlos? Mit Baum? Fragen über Fragen, die wirklich jeden Reiter beschäftigen.

Dieses Thema liegt mir besonders am Herzen, da ich seit Jahren auf der Suche nach einem passenden Sattel für Tilly bin und wir aktuell wieder einen Sattel haben, der einfach nicht passen will.

Die Suche beginnt…

Beginnen wir einfach mal am Anfang unserer Suche. Als ich Tilly vor knapp 4 Jahren von den Vorbesitzern übernommen habe, war sie 6 Jahre alt und hatte gerade ihre aktive Rennkariere beendet. Mir war klar, dass sich ihre Muskulatur im Laufe des Trainings zum Reitpferd verändern wird, daher habe ich mich für einen baumlosen Westernsattel entschieden. Ich muss dazu sagen, dass ich ursprünglich aus der englischen Reitweise stamme und vorher vielleicht 2x beim Kinder-Pony-Führen im Westernsattel saß. Dennoch dachte ich, dass ich in einem Westernsattel zusätzliche Sicherheit durch das Horn hätte.

Also, Sattel bestellt, auf Lieferung gewartet und dann den ersten Reitversuch im Schritt gestartet (Tilly war schon angeritten und kannte Sattel und Reitergewicht). Was soll ich sagen? Es war eine absolute Katastrophe. Ich hatte weder halt noch wusste ich wohin mit meinen Beinen und ich saß gefühlt 20 cm über dem Pferd. Nach weiteren Tests war für mich klar: das wird nichts! Wenn ich mich nicht mal im Schritt in dem Sattel wohl fühle, wie soll das dann im Trab klappen? Jeder der schon mal einen Traber in Aktion gesehen hat, kann sich vorstellen wie sich das unter einem Reiter anfühlt, wenn sie denn mal los traben. Da möchte man schon eine gewisse Sicherheit im Sattel haben.

Verschnaufpause durch Koppelverletzung

Tilly hat mir dann eine „Verschnaufpause“ gegönnt, da sie sich eine Koppelverletzung zugezogen hat, die 6 Monate dauerte, bis sie wieder verheilt war. Die Zeit nutzten wir für Bodenarbeit, Vertrauensarbeit und Spaziergänge.

Dann ging die Suche wieder los. Zum Glück konnte ich mir von einem Bekannten einen Wintec-Dressursattel mit verstellbaren Kopfeisen ausleihen. Der passte ziemlich gut. Allerdings verwendete ich ihn vorsichtshalber mit einem Lammfellpad. Aber es kam natürlich der Tag, an dem auch der Sattel nicht mehr passte. Nachdem das Reiten relativ gut klappte, dachte ich mir: „ich gönne uns jetzt einen angepassten Sattel vom Sattler.“ Also Sattler-Empfehlungen von Reiterfreundinnen eingeholt. Da mehrere unabhängige Freundinnen einen Sattler empfahlen, habe ich mich für diesen entschieden und dann ging das Leiden erst richtig los.

Es soll ein vom Sattler angepasster Sattel werden!

Die Terminabsprache ging noch relativ zügig. Am besagten Tag wurden dann so um die 15 Sättel getestet. Ich muss dazu sagen, dass der arme Sattler wirklich kein einfaches Pferd vorgesetzt bekam: Tilly hat eine relativ breite Brust, ist überbaut und hat ziemlich viel Schwung. Dazu kam, dass sie, verletzungsbedingt (ja, wir hatten viele Verletzungen) mal wieder pausierte und das ihre Bauchrundung ziemlich üppig war.

Nichts desto trotz meinte der Sattler, dass es kein Problem ist, einen passenden Sattel zu finden. Nach dem gefühlt 15ten Sattel war es soweit: es passte einer! Wunderschön in schwarz mit weißen Ziernähten und in meinem Budget – ich war hin und weg! Kleines Problem: wir brauchten ihn eine Nummer größer. Also ab auf die Bestellliste und ca. 4 Wochen warten.

erster Sattel vom Sattler angepasst
Gut Ding will lange Weile haben: unser erster, vom Sattler angepasster Dressursattel. Wunderschön mit weißen Ziernähten.

Gut Ding will lange Weile haben.

Aus 4 Wochen wurden 8, aus 8 Wochen 12 und der Sattel wollte einfach nicht kommen. Da wir keinen passenden Sattel hatten, ging das Training mit Bodenarbeit weiter. Nach über 3 Monaten dann der erlösende Anruf: der Sattel ist da! Termin vereinbart – Sattel nochmal ausprobiert ob er wirklich passt und dann endlich: REITEN ist angesagt!

Die ersten drei Reiteinheiten waren toll. Der Sattel super bequem und Tilly lief locker und losgelöst. Dann gingen die Probleme los: sie wollte beim Aufsteigen nicht mehr stehen bleiben – obwohl wir das bis zur Perfektion geübt haben. Sobald ich dann doch im Sattel saß, rannte sie los. Stellen und biegen nicht mehr möglich. Beim Putzen fiel mir auf, dass sie in der Sattellage extrem empfindlich war.

Schock: der Sattel passt nicht!

Geschockt war ich dann, als meine Chiropraktikerin, die genau zu der Zeit für eine Behandlung kam, nach 5 Minuten Pferd anschauen fragte, ob ich denn einen neuen Sattel hätte. Denn Tilly zeige ordentliche Verspannungen und sie könne mir jetzt schon sagen, dass der Sattel nicht passt.

Tja, da saß ich nun. Enttäuscht über die Beratung und den Verkauf des Sattlers. Enttäuscht darüber, so lange auf einen Sattel gewartet zu haben, der dann einfach nicht passt. Wütend über mich, so wenig Kenntnisse in Sachen Sattel zu haben, dass mir das selber nicht aufgefallen ist.

Nachdem die Wut etwas verflogen war, habe ich meinen Sattler kontaktiert und darum gebeten, dass er sich das nochmal anschaut. Bis zu dem Termin habe ich mich überall (bei Bekannten, im Internet, Fachzeitschriften) informiert, auf was genau ich denn bei einem passenden Sattel achten muss. Denn nochmal wollte ich mich nicht falsch beraten lassen und vor allem wollte ich meinem armen Pferd nicht nochmal einen nicht passenden Sattel zumuten.

Ein neuer Sattel muss her!

Beim neuen Termin fiel dann auf, dass der Sattel wirklich nicht passt. Mein Pferd habe sich auf knappe 6 Wochen einfach so verändert, dass der Sattel in der Kammer viel zu eng ist und hinten kippt. (Ähm, ne ja klar oder!?) Macht ja nix, er habe noch weitere Sättel im Auto, die wir testen können. Dieses mal sogar mit Probereiten (war beim ersten Termin übrigens nicht der Fall). Gesagt getan und ja, wir haben einen Sattel gefunden. Genügend Platz an der Schuler, kein Kippen, nichts. Das Gefühl endlich wieder reiten zu können und meinem Pferd keine Schmerzen mehr zuzufügen war toll.

Was gibt es Schöneres, als mit seinem Pferd die Ruhe im Wald zu genießen?
Es gibt für mich nichts Schöneres, als gemeinsame Ausritte. Das ist für mich Reiterglück pur!

Die erste Zeit mit dem neuen Sattel lief super. Dann kam eine kleine Reit-Winterpause in der ich nur 1x pro Woche geritten bin, wenn überhaupt. Dafür haben wir effektiv am vernünftigen Longieren gearbeitet und die Rückenmuskulatur verbessert. Mit den ersten Sonnenstrahlen kommt natürlich auch der Wunsch ins Gelände zu reiten. Die ersten zwei Ausritte liefen super. Beim dritten Ausritt ging es wieder los mit nicht mehr aufsteigen lassen wollen. Habe ich aber irgendwie ignoriert, weil es der 2te Ausritt in einer Woche war und ich dachte, dass sie einfach keine Lust hat. Gibt´s ja 😉 Allerdings hat sie an dem Tag mit Headshaking angefangen.

Der vierte Ausritt war kein Spaß mehr. Aufsteigen ging nur mit „kannst du mein Pferd bitte mal halten?“. Im Hof ging es schon los mit der Androhung von Steigen, stehen bleiben hat gar nicht funktioniert und getribbel war der Hauptgang. Headshaking war natürlich auch dabei. Ehrlich gesagt dachte ich, dass einfach die Frühlingsgefühle mit ihr durch gehen und sie Bewegung braucht. Also sind wir im Wald schöne Strecken getrabt und kaum war die Luft raus, war auch ein relativ entspannter Ausritt möglich.

Passt der neue Sattel auch nicht?

Trotzdem hat mich Tilly´s Reaktion bei dem Ausritt sehr beschäftigt. Denn Steigen und Headshaken gehört eigentlich nicht in ihr Repertoire. Also habe ich das einer Freundin erzählt und die hat mich dann auf die glorreiche Idee gebracht, meinen Sattel zu überprüfen. Logisch eigentlich, oder? Da der Sattel aber gerade mal 4 Monate alt war, habe ich mir darüber überhaupt keinen Kopf gemacht. Dumm. Dumm. Dumm.

Beim Überprüfen fiel mir sofort ins Auge, dass er an der Schulter mal wieder viel zu eng ist (da passt kein Finger drunter) und der Schwerpunkt viel zu weit hinten. Da hilft das ganze Gelpad, das ich extra unter dem Sattel habe, damit der Druck ja gut verteilt wird, nichts. Mein armes Pferd musste schon wieder unterm Reiter Schmerzen ertragen. Nur gut, dass ich nicht so viel geritten bin. Also ran ans Telefon und Nachricht an den Sattler. Nun warte ich auf eine Antwort von ihm – seit 2 Wochen… Denke er wird jetzt in der Corona-Zeit keine Vor-Ort-Termine machen, also warte ich geduldig auf seine Antwort.

Mein Sattler ist aktuell nicht erreichbar, also muss eine Alternative her!

Fakt ist, eine Alternative muss her. Denn ich will nicht wieder Monate verstreichen lassen und nicht reiten können. Bitte versteht mich nicht falsch: ich liebe Bodenarbeit, Zirzensik, Spaziergänge & Co. – aber das mach ich jetzt seit 3 Jahren sehr intensiv und 1-2x pro Woche würde ich trotzdem gerne reiten.

Nach langer Recherche im Netz habe ich mich jetzt für einen Lammfellsattel entschieden. Gerade um die Rückenmuskulatur beim Pferd und meinen Sitz zu verbessern, ist das sicherlich eine gute Überbrückung. Und vielleicht gefällt er uns ja so gut, dass wir ihn behalten und für zwischendurch nutzen? Natürlich brauchen wir auch einen Sattel mit Baum, aber so kann ich den Druck etwas raus nehmen und nach einem Sattel suchen, der wirklich passt.

Fellsattel Ibero Lammfellsattel Reitsport Engel Merinolammfell baumloser Sattel
Das ist unser neuer Fellsattel: Ibero von Engel Reitsport.

Wie uns der Lammfellsattel gefällt, wie wir damit klar kommen und ob es wirklich eine gute Alternative ist, erzähle ich euch hier in meinem Testbericht.

Mein Fazit bisher ist, dass ich durchaus auf mein Stütchen hören kann. Sie zeigt mir schnellstmöglich, wenn ihr etwas nicht passt oder unangenehm ist. Denn generell ist sie weder bösartig noch störrisch. Im Gegenteil, sie will immer gefallen, macht jeden Spaß mit und ist sehr lernwillig. Daher ist es gar nicht schlecht, wenn man manche Situationen, die nicht so toll sind, nochmal überdenkt. Und der Rat einer Freundin mit Pferdeverstand schadet auch nie ;-).

Habt ihr auch negative Erfahrungen auf der Suche nach einem passenden Sattel gemacht? Schreibt mir gerne – ich bin schon auf eure Story gespannt!

„An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter.“

(Konfuzius)